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Deutsch – Deutschland

Zweisprachigkeit

Zweisprachigkeit in der Praxis – Wie können wir Kinder beim Erlernen der polnischen Sprache unterstützen?

Am 25. Oktober nahm ich an der II. Bildungskonferenz EDUKATIVA’25 teil, die vom Polnisch-Schweizerischen Institut für Kultur und Bildung organisiert wurde.
Die Veranstaltung brachte Lehrerinnen und Lehrer, Pädagoginnen und Pädagogen, Leiterinnen und Leiter polnischer Schulen, Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Organisationen, Eltern sowie alle Interessierten an der polnischen Sprache und Kultur zusammen.

 


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Besonders wertvoll waren für mich die Workshops, an denen ich teilnehmen durfte:

📘 Dr. hab. Prof. UKEN Marzena Tytuła-Błasiak (Institut für Polnische Philologie der UKEN, Lehrstuhl für Didaktik der Literatur und der polnischen Sprache) leitete den Workshop
„Unterstützung von Kindern beim Erlernen der polnischen Sprache als Herkunftssprache – praktische Tipps für Eltern.“

Die Professorin vermittelte uns auf sehr anschauliche und verständliche Weise wichtige Aspekte der Zweisprachigkeit sowie die Herausforderungen, mit denen Kinder in einem mehrsprachigen Umfeld konfrontiert sind. Obwohl das Thema sehr umfangreich ist, konnten wir viele praktische Anregungen mitnehmen, die ich hier gerne weitergebe.


Die interessantesten Erkenntnisse und Gedanken aus den Workshops

Die folgenden Informationen stammen aus dem Workshop von Prof. Tytuła-Błasiak. Es handelt sich um eine Sammlung praktischer Tipps, die Eltern und Lehrpersonen dabei unterstützen können, Kinder beim Erlernen einer Sprache als Herkunftssprache zu begleiten.


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Wie können wir die Sprachentwicklung eines Kindes unterstützen?

  • Ein Kind sollte eine dominante Sprache gut beherrschen, um grammatikalische Strukturen zu verstehen und Selbstvertrauen zu entwickeln.
  • Lesen und Hörbücher fördern die sprachlichen Fähigkeiten und die Vorstellungskraft.
  • Offene Fragen im Alltag zeigen dem Kind unser Interesse und stärken die Beziehung:
    Wie hast du geschlafen? Was hast du geträumt? Was möchtest du zum Frühstück? Wie war dein Tag?
  • Beim Erlernen des Sprechens ist es wichtig, dass das Kind die Lippenbewegungen der sprechenden Person sehen kann. Für das Erlernen einer Sprache nutzen wir neben dem Gehör auch den Sehsinn (die sogenannte motor theory of speech).
  • Je mehr wir mit dem Kind sprechen, desto besser ist es für seinen Wortschatz und seine kognitive Entwicklung.
  • Wenn das Kind die Sprachen mischt, sollten wir in einer Sprache antworten, ohne es zu korrigieren, sondern indem wir die Kommunikation aufrechterhalten.
  • Nicht jeden Fehler korrigieren, damit das Kind nicht das Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten verliert.
  • Eine Sprache wird immer dominant – das ist in einem mehrsprachigen Umfeld ganz natürlich.
  • Nicht jede Studie und nicht jede Methode funktioniert bei allen Kindern gleich – jedes Kind hat seinen eigenen Lernrhythmus.

Spiele, die Sprache und Denken fördern

  • Sortieren (z. B. Wäsche, Einkäufe, Obst oder Gemüse) ist eine hervorragende Übung, um die Fähigkeit zu entwickeln, Muster und Kategorien zu erkennen – etwa Farben, Formen oder Funktionen.
  • Über den eigenen Tag erzählen, Geschichten erfinden und Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung beschreiben fördern das logische und sprachliche Denken.
  • Idiome und Metaphern zu verwenden gilt als eine der höchsten Stufen der Sprachbeherrschung – es zeigt, dass das Kind auch nicht wörtliche Bedeutungen versteht.
  • Es lohnt sich, Wörter in den am häufigsten verwendeten Formen zu lernen, anstatt selten verwendete Formen in den Vordergrund zu stellen.
  • Wenn ein Kind eine falsche Form verwendet, lohnt es sich, die korrekte Form in einer Frage natürlich zu wiederholen. Zum Beispiel:
    – „Oh, du hast die Suppe gegessen?“
    – „War die Suppe gut?“
    Auf diese Weise kann das Kind die richtige sprachliche Struktur selbst wahrnehmen.
  • Beim Sprachenlernen hilft es, sich mit der Sprache zu umgeben – durch Bücher, Musik, Filme, Gespräche und Sprachspiele.
  • Eine gute Atmosphäre und kein Druck sind entscheidend – Kinder lernen am besten, wenn sie sich sicher und akzeptiert fühlen.
  • In Schulen beginnt der Sprachunterricht oft mit Farben. Im Alltag werden Farben jedoch relativ selten als zentrale Begriffe verwendet – deshalb lohnt es sich, sich auf Wörter zu konzentrieren, die das Kind tatsächlich braucht.
  • Wiederholung festigt das Gelernte – im Gehirn entstehen stabile neuronale Verbindungen, die es dem Kind ermöglichen, sprachlich schneller zu reagieren.

Wissenswertes über das Gehirn und das Sprachenlernen

  • Beim Erlernen weiterer Sprachen legt das Kind diese gewissermaßen übereinander und sucht nach Gemeinsamkeiten zwischen ihnen.
  • Unser Gehirn vereinfacht und vergleicht Strukturen automatisch. So kann es beispielsweise den englischen Laut „th“ einem ähnlichen Laut im Polnischen zuordnen.
  • Sprachenlernen ist ein biologischer Prozess – in den Nervenzellen entstehen mikroskopisch kleine Informationsstrukturen, die wieder verschwinden können, wenn das Gelernte nicht wiederholt wird.
    Regelmäßige Verwendung der Sprache festigt diese Strukturen und fördert die Bildung neuer synaptischer Verbindungen.

💛 Zusammenfassung

Die Teilnahme an der EDUKATIVA’25 war für mich äußerst inspirierend.

Die Workshops von Prof. Marzena Tytuła-Błasiak haben mich daran erinnert, dass Zweisprachigkeit kein Hindernis, sondern eine Bereicherung ist, die die kognitive und emotionale Entwicklung eines Kindes fördern kann.

Der Schlüssel liegt in Geduld, Konsequenz und täglichen Gesprächen – sie prägen nicht nur die Sprachentwicklung, sondern auch die Beziehung zum Kind.

Denn Sprache besteht nicht nur aus Wörtern – sie bedeutet vor allem Nähe und Verständnis.

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